Artikel:Neue gesetzliche Vorschriften für die Versicherungsberater ab 22. Mai 2007

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Die Mehrheit der deutschen Versicherungen ist nicht auf die in Kürze geltenden verbraucherfreundlichen Regelungen vorbereitet. Das kommt aus einer Studie der Finanzzeitschrift "WirtschaftsWoche" unter Berufung auf eine Analyse von 300 Beratungsgesprächen der großen Versicherungsunternehmen hervor. Die Studie zeigte, dass nur bei einem Drittel aller Beratungen genau analysiert werde, welche Versicherung der Kunde tatsächlich braucht. Nur bei etwa jeder zehnten Beratung erhielten die Kunden ein regelgerechtes Protokoll des Gesprächs. Dieses gehört nach den ab 22. Mai geltenden Vorschriften zu den Pflichten eines jeden Versicherungsberaters. In 42 Prozent wurde die Beratung erst gar nicht dokumentiert.

Den neuen Vorschriften nach müssen Versicherungsvertreter in Deutschland den Bedarf der Kunden an Versicherungen umfassend analysieren und ihre Beratung dokumentieren. Die entsprechende Verordnung hatte der Bundesrat am Freitag, den 11. Mai zugestimmt.

Darüber hinaus soll sich die Informationspflicht für die Vermittler von Lebensversicherungen deutlich verschärfen. Die Vertreter und Makler werden auch noch dazu verpflichtet sein, vor Abschluss der Versicherung ihren Kunden mitzuteilen, wie hoch die Vertriebs- und Verwaltungskosten für den Vertrag sein werden. Von den neuen Regelungen würden, nach Einschätzung der Versicherungsexperten, am meisten Direktversicherer mit niedrigen Vertriebskosten gewinnen.

Schlüsselprinzip bei der Festlegung des neuen gesetzlichen Rahmens ist die Informationspflicht. In Zukunft sollen die Versicherungsvermittler dem Kunden alle Angaben zur Höhe der Abschluss- und Vertriebskosten, soweit eine Verrechnung mit Prämien erfolgt, sowie zu sonstigen Verwaltungskosten mitteilen. Davon betroffen sind allerdings nur Lebens-, Berufsunfähigkeits- und Unfallversicherungen. Sachversicherungen und die für die Vermittler sehr lukrativen Krankenversicherungen bleiben außen vor.

Die Verordnung, mit der der Bundestag das deutsche Versicherungsrecht modernisieren will, soll Anfang 2008 vollständig in Kraft treten. Die Meinungen in der Branche sind aber jetzt schon geteilt. Die Verbraucherschützer zum Beispiel begrüßen den Vorschlag und hoffen, dass in Zukunft mehr Kunden einen unabhängigen Versicherungsberater beauftragen werden, der keine Provision von Anbietern erhält.

Der Gesamtverband der deutschen Versicherung äußerte sich aber darüber empört: "Wenn das so kommt, wäre das eine Irreführung des Verbrauchers. Schon geringfügige Abweichungen bei der Laufzeit oder der Prämienhöhe könnten zu deutlich unterschiedlichen Euro-Beträgen führen. Damit kann der Kunde die Angebote nicht vergleichen. Das kann er nur mit Prozentangaben," sagte ein Sprecher des Verbandes vor dem online-Nachrichtenportal t-online.de am 14. Mai. Schließlich könnten die Neuregelungen zu Forderungen von Kunden nach Beteiligung an den Provisionen führen. Die Provisionsteilung ist in Deutschland immer noch verboten, soll aber demnächst aufgehoben werden.

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