Artikel:Versicherungsgesellschaften haften für die Zusagen des Vertreters

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Verspricht ein Versicherungsvermittler mehr Leistungen, als eine Police tatsächlich abdeckt, so ist die Gesellschaft im Schadenfall zumindest zu Teilzahlungen verpflichtet. Dies entschied das Oberlandesgericht Koblenz (Az. 10 U 1615/05).

Dem Urteil des Gerichtes lag folgender Fall zugrunde: Ein Versicherungsvertreter hatte seiner Kundin mit falschen Versprechungen dazu überredet, ihre Fahrzeuge bei ihm zu versichern. Er erklärte dabei, dass die neue und günstigere Kaskopolice den gleichen Schutz enthalte, wie die bisherige Kfz-Versicherung der Kundin. Ausdrücklich aufgrund dieser Aussage willigte die Frau ein und unterzeichnete den Vertrag.

Nach einem Unfall wandte sich die Kundin zur Schadensregulierung an ihre neue Versicherung. Die Gesellschaft weigert sich jedoch den Schaden, der allerdings bei ihrer alten Versicherung gedeckt gewesen wäre, zu bezahlen. Daraufhin reichte die Kundin Klage ein und bekam vom Oberlandesgericht Koblenz teilweise Recht zugesprochen. Die Richter urteilten, dass der Schaden wie bei dem alten Vertrag gedeckt sein müsse. Der Versicherungsvertreter hatte es nämlich nach Überzeugung des Gerichts versäumt, sich über den tatsächlichen bisherigen Versicherungsschutz der Klägerin zu informieren. Die neue Gesellschaft haftet folglich, "wenn ein Ereignis eintritt, das nach dem alten Vertrag versichert gewesen wäre".

Die komplette Schadenersatzforderung sprachen die Richter der Klägerin allerdings nicht zu. Sie gestanden ihr nur einen teilweisen Ersatz zu, weil sie ein erhebliches Mitverschulden treffe. Denn sie habe es unterlassen, so die Richter, die Police auf den genauen Schutz zu überprüfen. Den Verschuldensanteil der Klägerin bewertete das Gericht mit 50 Prozent. Eine Revision gegen die Entscheidung ließ das Gericht nicht zu.

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