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Versicherungswiki

Zill·me·rung

die; Substantiv, feminin · Versicherungsmathematik

Kurz erklärt

Bei der Zillmerung verrechnet der Versicherer die Abschlusskosten einer Lebens- oder Rentenversicherung mit den ersten Beiträgen — deshalb ist der Rückkaufswert anfangs so niedrig. Erlaubt sind höchstens 2,5 Prozent der Beitragssumme, verteilt auf mindestens fünf Jahre.

Der Begriff Zillmerung (auch: Zillmer-Verfahren) bezeichnet ein mathematisches Verfahren, mit dem eine Versicherungsgesellschaft die Abschlusskosten einer Lebens- oder Rentenversicherung mit den ersten Beiträgen des Versicherungsvertrages verrechnet. Benannt ist es nach dem Versicherungsmathematiker August Zillmer, der es im 19. Jahrhundert entwickelte. Die Folge für Versicherungsnehmer: Zu Beginn fließt nur ein kleiner Teil der monatlich gezahlten Beiträge ins Sparguthaben — der Rest des Geldes tilgt zunächst die Kosten des Versicherers, allen voran die Vermittlungsprovision.

Wie funktioniert die Zillmerung?

Beim Abschluss einer Lebensversicherung entstehen einmalige Abschlusskosten: Provision, Gesundheitsprüfung, Vertragsausfertigung — dazu Verwaltungskosten, die über die Laufzeit verteilt anfallen. Statt die Abschlusskosten in ihrer vollen Höhe offen in Rechnung zu stellen, rechnet die Versicherungsgesellschaft sie in die Beitragszahlung ein — und zieht sie nach dem Zillmer-Verfahren bevorzugt von den ersten Zahlungen ab. Die Formel dafür ergibt sich aus dem sogenannten Zillmersatz: einem Prozentsatz der gesamten Summe aller Beiträge.

Ein Beispiel für die Berechnung: Ein Versicherungsvertrag über 100 Euro monatlich mit 30 Jahren Laufzeit hat eine gesamte Beitragssumme von 36.000 Euro. Bei einem Zillmersatz von 2,5 Prozent betragen die Abschlusskosten 900 Euro. Diese 900 Euro werden für die Berechnung auf die ersten fünf Jahre verteilt — von den Beiträgen dieser Zeit gehen jeden Monat 15 Euro zusätzlich für die Kosten ab, bevor Geld gespart wird.

Die Folge: niedriger Rückkaufswert in den ersten Jahren

Das Zillmer-Verfahren erklärt, warum kapitalbildende Verträge bei früher Kündigung fast immer ein Verlustgeschäft sind: Die Berechnung der Deckungsrückstellung — des rechnerischen Guthabens, das die Deckung der späteren Leistung sichert — startet im negativen Bereich, und der Rückkaufswert liegt am Anfang deutlich unter den eingezahlten Beiträgen, mitunter nahe null. Erst wenn die Abschlusskosten getilgt sind, wächst der Wert der Lebens- oder Rentenversicherung spürbar. Wer eine gezillmerte Police nach zwei oder drei Jahren kündigt, hat die Kosten des Versicherers bezahlt, aber kaum Guthaben aufgebaut.

Rechtlicher Rahmen: Höchstzillmersatz und Fünf-Jahres-Regel

Das Gesetz bestimmt, wie stark Versicherer das Verfahren verwenden dürfen: Seit 2008 sind die Abschlusskosten für den Rückkaufswert auf mindestens fünf Jahre zu verteilen (§ 169 Abs. 3 VVG) — ein Versicherungsvertrag darf also nicht mehr komplett „leergezillmert“ starten. Und seit 2015 gilt ein Höchstzillmersatz von 2,5 Prozent der Beitragssumme (§ 4 der Verordnung über die Deckungsrückstellung); zuvor wurden bis zu 4 Prozent verwendet. An der Grundmechanik ändert das im Fall der Kündigung nichts: Die Kosten trägt der Versicherungsnehmer — nur gestreckter als früher.

Ungezillmerte Tarife als Alternative

Es geht auch ohne Zillmerung: Bei Nettopolicen (Honorartarifen) verzichtet der Versicherer darauf, Abschlusskosten in die Beiträge einzurechnen; der Kunde zahlt stattdessen ein offenes Honorar in vereinbarter Höhe an den Berater. Solche ungezillmerten Verträge bauen vom ersten Euro an Wert auf und sind bei früher Kündigung deutlich weniger verlustreich. Auch in der betrieblichen Altersversorgung spielt das eine Rolle: Die Rechtsprechung sieht gezillmerte Tarife bei der Entgeltumwandlung kritisch, weil sie Arbeitnehmer bei Arbeitgeberwechsel benachteiligen können.

Häufige Fragen zur Zillmerung

Was bedeutet Zillmerung einfach erklärt?

Die Abschlusskosten der Lebensversicherung — vor allem die Provision — werden mit den ersten Beiträgen verrechnet. Deshalb wächst das Geld im Vertrag am Anfang kaum.

Ist das Zillmer-Verfahren noch erlaubt?

Ja, aber per Gesetz begrenzt: Der Zillmersatz der Versicherungsgesellschaft beträgt höchstens 2,5 Prozent der Beitragssumme, und die Kosten sind auf mindestens fünf Jahre zu verteilen.

Woran erkenne ich, ob mein Versicherungsvertrag gezillmert ist?

Am Verlauf der Rückkaufswerte in der Vertragsübersicht: Liegen sie zu Beginn weit unter den eingezahlten Beiträgen, wurde gezillmert. Im Zweifel hilft eine Anfrage beim Versicherer zur Höhe der verwendeten Abschluss- und Verwaltungskosten.

Lohnt es sich, einen gezillmerten Vertrag zu kündigen?

Nach den ersten Jahren sind die Kosten bezahlt — eine späte Kündigung „schenkt“ der Versicherungsgesellschaft nichts mehr, vernichtet aber Garantien. Prüfen Sie vorher die Alternativen: beitragsfrei stellen, verkaufen oder fortführen.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. 1. § 169 Abs. 3 VVG — Verteilung der Abschluss- und Vertriebskosten auf fünf Jahre
  2. 2. § 4 Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV) — Höchstzillmersatz von 2,5 Prozent der Beitragssumme
  3. 3. Gabler Wirtschaftslexikon — Zillmern (Begriffsgeschichte nach August Zillmer)

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Zuletzt aktualisiert am 11.07.2026 · Betreiber: Finanzriese GmbH · Impressum & Zulassung