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Versicherungswiki

Re·gress

der; Substantiv, maskulin · Rückgriff

Kurz erklärt

Regress bedeutet Rückgriff: Die Versicherung zahlt den Schaden und fordert das Geld von der verantwortlichen Person zurück (§ 86 VVG) — vom eigenen Kunden etwa nach Alkohol am Steuer oder Fahrerflucht, dann meist begrenzt auf 5.000 Euro je Verstoß.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Begriff Regress (Rückgriff) bedeutet: Wer eine Leistung erbracht hat, fordert den gezahlten Betrag von der Partei zurück, die für den Schaden verantwortlich ist.
  • Die Versicherung kann den Versicherungsnehmer in Regress nehmen — etwa nach Alkohol am Steuer oder Fahrerflucht — oder Dritte, die den Unfall verursacht haben (§ 86 VVG).
  • In der Kfz-Haftpflicht ist der Regressanspruch gegen den eigenen Kunden meist auf 5.000 Euro je Verstoß begrenzt.
  • Gegen eine Regressforderung lohnt sich die Prüfung: Verstoß, Kausalität und die Folgen für die Zahlungen müssen belegt sein.

Was Regress bedeutet: Definition und gesetzliche Grundlage

Regress stammt vom lateinischen „regressus“ — Rückkehr oder Rückgriff. Im Zivilrecht bezeichnet der Begriff den Anspruch, eine erbrachte Leistung von der Partei zurückzufordern, die eigentlich für den Schaden verantwortlich ist. Ein Regressanspruch besteht typischerweise, wenn jemand für fremdes Verschulden in Vorleistung geht — insbesondere in der Schadensregulierung der Versicherer: Die Versicherung ist gegenüber dem Geschädigten zur Leistung verpflichtet, zahlt — und stellt die Kosten anschließend dem Verursacher in Rechnung.

Die wichtigste gesetzliche Grundlage für die Entstehung des Regressanspruchs im Versicherungsrecht ist § 86 VVG: Ersetzt der Versicherer seinem Versicherungsnehmer einen Schaden, geht dessen Ersatzanspruch gegen den Schädiger automatisch auf den Versicherer über (gesetzlicher Forderungsübergang). Daneben kann ein Regressanspruch aufgrund des Gesamtschuldnerausgleichs (§ 426 BGB) entstehen, wenn mehrere Parteien für einen Schaden haften, sowie aus dem Sozialrecht (§ 116 SGB X). Auch außerhalb der Versicherung gibt es den Rückgriff — etwa wenn ein Händler für mangelhafte Produkte haftet und beim Hersteller Regress nimmt.

Wann darf die Versicherung den Versicherungsnehmer in Regress nehmen?

Der für Verbraucher wichtigste Fall: Die eigene Versicherung zahlt zwar dem Geschädigten, fordert den gezahlten Betrag aber vom Versicherungsnehmer zurück. Das passiert vor allem nach einem Verkehrsunfall, denn die Kfz-Haftpflicht muss das Unfallopfer auch dann entschädigen, wenn der Fahrer sich grob verkehrswidrig verhalten hat. Typische Auslöser einer Regressforderung:

  • Alkohol oder Drogen am Steuer
  • Fahrerflucht (Verletzung der Aufklärungspflicht nach dem Unfall)
  • Fahren ohne Fahrerlaubnis oder mit nicht zugelassenem Fahrzeug
  • Vorsatz und grobe Fahrlässigkeit: vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind nie versichert; grob fahrlässig verursachte kürzt die Kasko über die Quotelung

Die gute Nachricht: Die Regressforderung der Kfz-Haftpflicht gegen den Versicherungsnehmer ist begrenzt — in der Regel auf 5.000 Euro je Verstoß (Kraftfahrzeug-Pflichtversicherungsverordnung). Wer bei einem Verkehrsunfall mehrere Pflichten verletzt, etwa Trunkenheitsfahrt plus Fahrerflucht, muss allerdings mit addierten Zahlungen von bis zu 10.000 Euro rechnen. Der Schaden selbst kann weit darüber liegen — die Differenz trägt die Versicherung.

Regressanspruch gegen Dritte: der Forderungsübergang

Häufiger, aber für Versicherte meist unsichtbar, ist der Fall, in dem die Versicherung Regress bei fremden Verursachern nimmt — gleich ob Person oder Unternehmen. Ein Beispiel: Ein Handwerksbetrieb verursacht beim Kunden einen Wasserschaden. Die Wohngebäudeversicherung ersetzt den Schaden — und der Regressanspruch des Versicherers richtet sich anschließend gegen den Betrieb beziehungsweise dessen Betriebshaftpflicht, die für die Haftung des Handwerkers einsteht. Für den Versicherungsnehmer ändert sich nichts; die Schadensregulierung läuft zwischen den Versicherern.

Auch die Sozialversicherung arbeitet so: Verletzt eine Person einen anderen Menschen schuldhaft — ob grob fahrlässig oder vorsätzlich —, übernimmt zunächst dessen Krankenkasse die Behandlungskosten und fordert sie nach § 116 SGB X vom Schädiger zurück. Ohne Haftpflichtversicherung können die finanziellen Folgen existenzbedrohend werden: Der Regressanspruch umfasst Behandlung, Reha und unter Umständen lebenslange Zahlungen. Eine Haftpflichtversicherung ist deshalb für jeden Haushalt unverzichtbar.

Beispiele für Regressforderungen

Fall Wer zahlt zuerst? Wer wird in Regress genommen?
Verkehrsunfall mit 1,4 Promille Kfz-Haftpflicht entschädigt das Opfer eigener Versicherungsnehmer (bis 5.000 Euro)
Fahrerflucht nach Parkrempler Kfz-Haftpflicht eigener Versicherungsnehmer (bis 5.000 Euro)
Handwerker beschädigt Leitung Gebäudeversicherung des Kunden Handwerker bzw. seine Betriebshaftpflicht
Radfahrer verletzt Fußgänger Krankenkasse des Fußgängers Radfahrer bzw. seine Privathaftpflicht (§ 116 SGB X)
Mieter ist für einen Brand verantwortlich Gebäudeversicherung des Vermieters Mieter bzw. seine Haftpflicht (bei grober Fahrlässigkeit)

Wie Sie sich gegen eine Regressforderung wehren

Wer Post mit einer Regressforderung erhält, sollte nicht vorschnell zahlen, sondern prüfen lassen, ob und in welcher Höhe der Anspruch besteht:

  1. 1. Verstoß belegt? Die Versicherung muss den Verstoß gegen den Vertrag nachweisen — insbesondere die Kausalität zwischen Alkoholfahrt und Unfall.
  2. 2. Höhe korrekt? Gilt die Begrenzung auf 5.000 Euro je Verstoß? Sind die geltend gemachten Positionen nachvollziehbar aufgeschlüsselt?
  3. 3. Frist beachten: Der Regressanspruch verjährt regelmäßig drei Jahre nach Kenntnis (§§ 195, 199 BGB).
  4. 4. Rechtsrat einholen: Bei hohen Zahlungen lohnt die Prüfung durch einen Fachanwalt; eine Rechtsschutzversicherung übernimmt die Kosten oft.

Häufige Fragen zum Regress

Was bedeutet „in Regress nehmen“ einfach erklärt?

Regress bedeutet Rückgriff: Wer jemanden in Regress nimmt, fordert den gezahlten Betrag für eine erbrachte Leistung von der Person zurück, durch die der Schaden entstehen konnte. Der Begriff Regressforderung bezeichnet genau diese Rückforderung.

Wann kann die Vollkasko Regress fordern?

Beim eigenen Kunden kürzt die Kasko über die Quotelung statt über eine Regressforderung. Dritte kann sie aber in Anspruch nehmen — etwa den Unfallgegner oder dessen Versicherung.

Wann verjährt eine Regressforderung?

In der Regel drei Jahre ab dem Ende des Jahres, in dem der Anspruch entstand und die Versicherung davon Kenntnis erlangte.

Schützt die private Haftpflicht vor einem Regressanspruch?

Ja — genau dazu ist der Vertrag verpflichtet: Das Unternehmen übernimmt berechtigte Ersatz- und Regressansprüche Dritter, etwa der Krankenkasse eines Geschädigten, und wehrt unberechtigte Regressforderungen ab.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. 1. § 86 VVG — Übergang von Ersatzansprüchen (Forderungsübergang), gesetze-im-internet.de
  2. 2. §§ 5, 6 Kraftfahrzeug-Pflichtversicherungsverordnung (KfzPflVV) — Begrenzung der Leistungsfreiheit
  3. 3. § 116 SGB X — Ansprüche gegen Schadenersatzpflichtige (Regress der Sozialversicherung)
  4. 4. § 426 BGB — Gesamtschuldnerausgleich · §§ 195, 199 BGB — Verjährung

Redaktion & Aktualität

Zuletzt aktualisiert am 11.07.2026 · Betreiber: Finanzriese GmbH · Impressum & Zulassung