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Versicherungswiki

Ren·ten·fak·tor

der; Substantiv, maskulin · Umrechnungsgröße

Kurz erklärt

Der Rentenfaktor gibt an, wie viel monatliche Rente je 10.000 Euro angespartes Kapital gezahlt wird. Er ist eine zentrale Kennzahl der Rentenversicherung; wichtig ist der garantierte, nicht nur der aktuelle Rentenfaktor.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der Rentenfaktor gibt an, wie viel monatliche Rente je 10.000 Euro angespartes Kapital gezahlt wird. Ein Rentenfaktor von 30 bedeutet 30 Euro Monatsrente je 10.000 Euro.
  • Versicherer nennen zwei Werte: den bei Vertragsabschluss festgeschriebenen garantierten Rentenfaktor und den zum Rentenbeginn tatsächlich angewandten aktuellen Rentenfaktor, der meist höher liegt.
  • Die Höhe hängt vor allem von der kalkulierten Lebenserwartung (Sterbetafeln) und vom Rechnungszins ab, der über die Deckungsrückstellungsverordnung begrenzt wird (§ 2 DeckRV).
  • Ein Teil der späteren Rente stammt aus der Überschussbeteiligung nach § 153 VVG und ist deshalb nicht garantiert.

Was ist der Rentenfaktor?

Der Rentenfaktor ist die zentrale Rechengröße einer privaten Rentenversicherung. Er übersetzt das bis zum Rentenbeginn angesparte Kapital in eine lebenslange Monatsrente. Die Formel lautet:

Monatsrente = (Kapital geteilt durch 10.000) mal Rentenfaktor.

Wer bei Rentenbeginn 100.000 Euro angespart hat und einen Rentenfaktor von 30 erhält, bekommt also 300 Euro Rente pro Monat. Der Faktor beschreibt damit, wie großzügig der Versicherer das Kapital verrentet. Schon kleine Unterschiede wirken sich über die gesamte Rentenbezugszeit erheblich aus, weil die Rente lebenslang gezahlt wird.

Zwei Rechengrundlagen bestimmen den Rentenfaktor. Erstens die angenommene Lebenserwartung: Je länger die Versichertengemeinschaft statistisch lebt, desto länger muss das Kapital reichen, desto niedriger fällt die Monatsrente aus. Grundlage sind die Sterbetafeln der Deutschen Aktuarvereinigung. Zweitens der Rechnungszins, mit dem der Versicherer das Kapital während der Rentenphase kalkuliert. Dieser garantierte Zins darf den staatlich festgelegten Höchstrechnungszins nicht überschreiten (§ 2 DeckRV). Für neu abgeschlossene Verträge lag er von 2022 bis 2024 bei 0,25 Prozent und wurde zum 1. Januar 2025 auf 1,0 Prozent angehoben. Ein höherer zulässiger Rechnungszins erlaubt tendenziell höhere garantierte Rentenfaktoren.

Garantierter und aktueller Rentenfaktor

Im Vertrag stehen in der Regel zwei Werte. Der garantierte Rentenfaktor wird bei Abschluss festgeschrieben und markiert die Untergrenze: Weniger Rente je 10.000 Euro darf der Versicherer nicht auszahlen. Der aktuelle Rentenfaktor gilt zum Zeitpunkt des Rentenbeginns und berücksichtigt die dann geltenden Kalkulationsgrundlagen und die Überschussbeteiligung. Er liegt meist über dem garantierten Wert, ist aber nicht zugesichert.

Kapital bei Rentenbeginn Rentenfaktor Monatsrente
100.000 Euro 25 250 Euro
100.000 Euro 30 300 Euro
100.000 Euro 35 350 Euro

Die Tabelle zeigt, warum die Kennzahl beim Vergleich von Angeboten so aussagekräftig ist: Bei gleichem Kapital entscheidet allein der Rentenfaktor über die Rentenhöhe. Ein hoher garantierter Rentenfaktor ist dabei wertvoller als ein hoher, aber unverbindlicher aktueller Wert, weil nur die Garantie kalkulierbar bleibt.

Ob und wie ein Versicherer den Rentenfaktor nachträglich anpassen darf, richtet sich nach den vereinbarten Bedingungen. Manche Verträge enthalten Klauseln, die eine Absenkung über einen Treuhänder bei veränderter Lebenserwartung oder Zinslage zulassen. Der garantierte Rentenfaktor bleibt davon nach den Versicherungsbedingungen üblicherweise unberührt.

Häufige Fragen zu Rentenfaktor

Was bedeutet ein Rentenfaktor von 30?

Ein Rentenfaktor von 30 bedeutet, dass je 10.000 Euro angespartem Kapital 30 Euro Monatsrente gezahlt werden. Bei 50.000 Euro Kapital sind das 150 Euro im Monat.

Warum unterscheiden sich garantierter und aktueller Rentenfaktor?

Der garantierte Wert wird bei Vertragsabschluss vorsichtig kalkuliert und bildet die Mindestrente. Der aktuelle Wert gilt erst zum Rentenbeginn und schließt Überschüsse sowie die dann geltenden Rechnungsgrundlagen ein, weshalb er meist höher liegt.

Kann der Rentenfaktor noch sinken?

Der garantierte Rentenfaktor steht fest. Der aktuelle Rentenfaktor kann sich bis zum Rentenbeginn ändern, weil er von Lebenserwartung, Zinsniveau und Überschussbeteiligung nach § 153 VVG abhängt.

Ist ein hoher Rentenfaktor immer besser?

Ein hoher garantierter Rentenfaktor bedeutet mehr sichere Rente je 10.000 Euro. Beim Vergleich sollten allerdings auch Kosten und die Höhe des tatsächlich angesparten Kapitals berücksichtigt werden, da beide die Rente ebenso beeinflussen.

Was hat die Rentengarantiezeit mit dem Rentenfaktor zu tun?

Nichts unmittelbar. Die Rentengarantiezeit regelt, wie lange die Rente auch nach frühem Tod an Hinterbliebene weiterläuft, während der Rentenfaktor allein die Höhe der Monatsrente bestimmt.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. § 153 VVG, Überschussbeteiligung, gesetze-im-internet.de
  2. § 2 Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV), Höchstrechnungszins, gesetze-im-internet.de
  3. BaFin, Informationen zum Höchstrechnungszins (Garantiezins) in der Lebensversicherung
  4. Deutsche Aktuarvereinigung (DAV), Sterbetafeln als Rechnungsgrundlage der Rentenversicherung

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Zuletzt aktualisiert am 10.09.2026 · Betreiber: Finanzriese GmbH · Impressum & Zulassung