Grund·fä·hig·keits·ver·si·che·rung
die; Substantiv, feminin · Schutz körperlicher Grundfähigkeiten
Kurz erklärt
Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine Rente, wenn der Versicherte definierte Grundfähigkeiten wie Sehen, Gehen oder Greifen verliert, unabhängig vom Beruf. Sie ist eine Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, vor allem für körperlich Tätige.
Das Wichtigste in Kürze
- Die Grundfähigkeitsversicherung zahlt eine vereinbarte monatliche Rente, wenn eine vertraglich definierte Grundfähigkeit wie Sehen, Hören, Gehen oder Greifen verloren geht.
- Der Anspruch besteht unabhängig vom ausgeübten Beruf. Entscheidend ist allein der Verlust der Fähigkeit, in der Regel für mindestens sechs Monate.
- Sie gilt als günstigere Alternative zur Berufsunfähigkeitsversicherung, vor allem für körperlich Tätige.
- Vor Abschluss sind die Gesundheitsfragen wahrheitsgemäß zu beantworten (§ 19 VVG).
Was ist eine Grundfähigkeitsversicherung?
Die Grundfähigkeitsversicherung ist eine private Summenversicherung, die eine vereinbarte monatliche Rente zahlt, wenn die versicherte Person eine im Vertrag festgelegte Grundfähigkeit verliert. Anders als bei der Berufsunfähigkeitsversicherung kommt es nicht darauf an, ob der bisherige Beruf noch ausgeübt werden kann. Maßgeblich ist allein, dass eine der versicherten Fähigkeiten dauerhaft, meist für mindestens sechs Monate, vollständig wegfällt.
Welche Fähigkeiten abgesichert sind, legt der jeweilige Tarif fest. Typisch sind:
- Sinne: Sehen, Hören und Sprechen
- Motorik: Gehen, Stehen, Treppensteigen, Sitzen sowie Knien und Bücken
- Hände und Arme: Greifen, Heben und Tragen, Gebrauch der Hände
- je nach Tarif zusätzlich geistige Fähigkeiten oder das Autofahren
Rechtliche Einordnung und Abgrenzung zur BU
Für die Grundfähigkeitsversicherung gibt es keine eigene gesetzliche Definition. Sie richtet sich nach dem Versicherungsvertragsgesetz (VVG) und den vereinbarten Vertragsbedingungen. Über § 177 VVG gelten die Schutzregeln der Berufsunfähigkeitsversicherung (§§ 173 bis 176 VVG) für solche Verträge entsprechend, etwa zum Anerkenntnis der Leistung und zur Nachprüfung.
Der Leistungsumfang hängt stark davon ab, welche Fähigkeiten der Tarif abdeckt und wie streng die jeweilige Definition ausgestaltet ist. Ein sorgfältiger Vergleich der Bedingungen ist deshalb aussagekräftiger als der reine Beitrag.
Häufige Fragen zu Grundfähigkeitsversicherung
Für wen ist eine Grundfähigkeitsversicherung sinnvoll?
Vor allem für körperlich Tätige und für Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen keine oder nur eine sehr teure Berufsunfähigkeitsversicherung erhalten.
Wie unterscheidet sie sich von der Berufsunfähigkeitsversicherung?
Die Berufsunfähigkeitsversicherung zahlt, wenn der zuletzt ausgeübte Beruf nicht mehr ausgeübt werden kann. Die Grundfähigkeitsversicherung stellt dagegen auf den Verlust einzelner körperlicher oder geistiger Fähigkeiten ab, unabhängig vom Beruf.
Ab wann wird die Rente gezahlt?
In den meisten Tarifen, sobald eine versicherte Grundfähigkeit voraussichtlich für mindestens sechs Monate vollständig verloren ist. Die genaue Regelung steht in den Versicherungsbedingungen.
Quellen und Rechtsgrundlagen
- § 172 VVG (Berufsunfähigkeit) und § 177 VVG (entsprechende Anwendung auf vergleichbare Verträge), gesetze-im-internet.de
- § 19 VVG (vorvertragliche Anzeigepflicht), gesetze-im-internet.de
Redaktion & Aktualität
Zuletzt aktualisiert am 10.09.2026 · Betreiber: Finanzriese GmbH · Impressum & Zulassung