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Versicherungswiki

Ster·be·ta·fel

die; Substantiv, feminin · Sterblichkeitsstatistik

Kurz erklärt

Die Sterbetafel gibt Sterbewahrscheinlichkeiten und Lebenserwartung nach Alter und Geschlecht an. Sie ist Grundlage der Kalkulation von Lebens- und Rentenversicherungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine Sterbetafel ist eine statistische Tabelle, die für jedes Alter die Sterbewahrscheinlichkeit und die verbleibende Lebenserwartung ausweist, getrennt nach Geschlecht.
  • Sie ist eine zentrale Rechnungsgrundlage: Ohne sie lassen sich Beiträge und Rückstellungen in Lebens- und Rentenversicherungen nicht kalkulieren.
  • In Deutschland nutzen Versicherer die Tafeln der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV); die amtliche Bevölkerungsstatistik führt das Statistische Bundesamt.

Was ist eine Sterbetafel?

Eine Sterbetafel ist eine Tabelle, die für jedes Lebensjahr angibt, mit welcher Wahrscheinlichkeit eine Person innerhalb des nächsten Jahres stirbt. Diese einjährige Sterbewahrscheinlichkeit wird versicherungsmathematisch mit dem Buchstaben qx bezeichnet. Aus den qx-Werten leitet sich die durchschnittliche Lebenserwartung je Alter ab. Weil Frauen im Schnitt länger leben als Männer, werden die Werte getrennt nach Geschlecht geführt.

Man unterscheidet zwei Grundtypen. Eine Periodentafel bildet die Sterblichkeit eines Beobachtungszeitraums ab. Eine Generationentafel berücksichtigt zusätzlich den Geburtsjahrgang und rechnet die erwartete künftige Verbesserung der Sterblichkeit ein. Für die Rentenversicherung ist die Generationentafel entscheidend, weil sie den langfristigen Trend zu höherer Lebenserwartung erfasst.

Sterbetafel Herausgeber Typische Verwendung
Allgemeine (amtliche) Sterbetafel Statistisches Bundesamt Bevölkerungsstatistik, Referenzwerte
DAV 2008 T Deutsche Aktuarvereinigung Risiko- und Todesfallversicherung
DAV 2004 R Deutsche Aktuarvereinigung private und Renten-Lebensversicherung

Warum Versicherer eigene Tafeln nutzen

Versicherte sind kein Abbild der Gesamtbevölkerung. Wer eine Rente abschließt, lebt statistisch länger als der Durchschnitt (positive Selektion). Deshalb rechnen Aktuare in der Rentenversicherung mit besonders niedriger Sterblichkeit und langen Laufzeiten, was höhere Beiträge ergibt. In der Risikolebensversicherung wird umgekehrt vorsichtig mit einer höheren Sterblichkeit kalkuliert. Zusätzlich enthalten die DAV-Tafeln Sicherheitszuschläge.

Diese vorsichtige Kalkulation ist keine freie Entscheidung des Versicherers. § 138 VAG verpflichtet Lebensversicherer, Prämien und Deckungsrückstellung so zu berechnen, dass die dauernde Erfüllbarkeit der Verträge gesichert ist. Die konkreten Anforderungen an die Rechnungsgrundlagen regelt die Deckungsrückstellungsverordnung (DeckRV).

Häufige Fragen zu Sterbetafeln

Wer gibt Sterbetafeln heraus?

Die für die Versicherungskalkulation maßgeblichen Tafeln stammen von der Deutschen Aktuarvereinigung (DAV). Die allgemeine Bevölkerungstafel veröffentlicht das Statistische Bundesamt.

Warum weichen amtliche und Versicherer-Tafeln voneinander ab?

Versicherte leben im Schnitt länger als die Gesamtbevölkerung, und die DAV-Tafeln enthalten zusätzlich Sicherheitszuschläge. Dadurch fällt die angesetzte Sterblichkeit in der Versicherungsmathematik niedriger aus als in der amtlichen Statistik.

Kann man aus einer Sterbetafel die eigene Lebenserwartung ablesen?

Sie liefert nur statistische Durchschnittswerte für Alter und Geschlecht. Individuelle Faktoren wie Gesundheit oder Beruf bildet sie nicht ab.

Quellen und Rechtsgrundlagen

  1. § 138 Versicherungsaufsichtsgesetz (VAG), Prämien und Deckungsrückstellung in der Lebensversicherung, gesetze-im-internet.de
  2. Verordnung über die versicherungsmathematischen Methoden zur Berechnung der Deckungsrückstellung (Deckungsrückstellungsverordnung, DeckRV)
  3. Deutsche Aktuarvereinigung e.V. (DAV), Sterbetafeln DAV 2008 T und DAV 2004 R
  4. Statistisches Bundesamt (Destatis), Allgemeine Sterbetafel und Periodensterbetafeln

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Zuletzt aktualisiert am 10.09.2026 · Betreiber: Finanzriese GmbH · Impressum & Zulassung